Homöopathie ist nur Milchzucker und kann mit einem ordentlichen Schmerzmittel nicht mithalten – denkst du das auch?
Dann hab ich jetzt eine kleine Geschichte.
Neulich war ich zwei Tage in Berlin und danach wollten wir noch im Spreewald ein paar Tage Urlaub machen. Mittwochs nach dem Duschen konnte ich plötzlich den Arm nicht mehr heben und ich merkte, dass mein Schultergelenk schmerzte – völlig aus dem Nichts. Da ich meinen Unterarm aber noch gut bewegen konnte, war ich nur wenig besorgt. Donnerstags kaufte ich mir vor der Fahrt in den Spreewald Voltaren-Salbe und Ibuprofen und dachte, das wird schon wieder.

Aber je mehr Voltaren ich mir draufschmierte, desto schlimmer wurde es. Die Tabletten – ich hab nur 400mg genommen, um mir nicht meinen Darm so kaputtzumachen – haben gar nix genützt.

Den Freitag verbrachte ich in der Hölle. Ich war ab 5 Uhr wach und die gesamte linke Seite tat auch im Ruhezustand so weh, dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte. Der Schmerz war bei 10/10 und ich musste immer wieder weinen vor Schmerz und Verzweiflung. Als mein Mann mir einen Quarkwickel machte, ging der Schmerz auf 9 herunter und ich suchte mir einen Orthopäden, weil das so nicht weitergehen konnte.

Der Orthopäde war ein Kapitel für sich. Er hatte mehr negative Rezensionen als positive, aber ich hatte keine Wahl, weil er der einzige offene in der „Nähe“ war. Wie die Frau am Telefon sich verhielt, nahm ich an, die Praxis sei voller Leute, aber als wir nach 30 Minuten Fahrt über Landstraßen ankamen, war nur eine weitere Patientin im Wartebereich. Einen Patientenbogen musste ich nicht ausfüllen. Die Praxis war ziemlich ungepflegt, aber ich kam immerhin schnell dran. Ich wurde geröntgt und erhielt ein Rezept für Iboprofen-Salbe und Tabletten. Wir kauften die Tabletten, und ich nahm noch im Auto die erste ein (man sollte nur eine am Tag nehmen) und trug in der Ferienwohnung sofort die Salbe auf. Die Tablette sollte innerhalb weniger Stunden wirken, aber nach drei Stunden merkte ich immer noch nichts. Jede kleinste Bewegung schmerzte des Todes. Ich konnte nicht alleine zur Toilette und brauchte Hilfe beim An- und Ausziehen. Erst nach mehreren weiteren Stunden mit Retterspitz, Kyttasalbe und Quarkwickeln waren die Schmerzen bei 8.

Dafür stellte sich heraus, dass die Tabletten die Wirkung von meinen blutdrucksenkenden Mitteln aufhoben – ein Fehler, den der Arzt hätte vermeiden können, wenn man mich hätte einen Erstanamnesebogen ausfüllen lassen.

In der Nacht schlief ich in fast aufrechter Haltung, und am nächsten Morgen, ein Samstag, ging es ab 6 Uhr wieder mit 10/10 weiter.

Am Samstag Mittag war ich so zermürbt, dass ich den homöopathischen Notdienst anrief. Das hatte mir eine Freundin am Freitag empfohlen, aber da war ich noch davon ausgegangen, die Tabletten würden helfen und hatte Homöopathie gar nicht auf dem Schirm. Denn was sollten Globuli gegen diese krassen Schmerzen ausrichten? Schließlich hatte ich ja Schmerztabletten mit echten Wirkstoffen, oder?

Die Homöopathin am Telefon hörte mir 10 Minuten zu, rief mich nach weiteren 10 Minuten wieder an und sagte: Bryonia. Das hatte ich in C30 sogar dabei. Die ersten 5 Globuli sollte ich direkt einnehmen und dann 5 in Wasser auflösen und alle 15 Minuten einen Schluck nehmen. Und was soll ich sagen: Nach der Einnahme der Globuli spürte ich, dass die Schmerzspitzen ein bisschen abflachten, aber das mit dem Wasser hat sich kaum ausgewirkt. Nach zwei Stunden rief ich wieder beim Notruf an und die Homöopathin sagte, ich solle die Globuli alle 30 Minuten trocken nehmen. Nach einer Stunde konnte ich feststellen, wie die Schmerzen stetig weniger wurden – eine Wirkung, die ich eigentlich von den richtigen Schmerztabletten erwartet hatte. Bald hatte ich im Ruhezustand gar keine Schmerzen mehr. Am nächsten Morgen waren sie aber wieder da, und wieder rief ich den Notdienst an. Die selbe Frau wie am Vortag hatte Dienst und riet mir, die Globuli weiter zu nehmen. Nach einer Stunde waren sie wieder weg, und weil ich die Globuli ab da durchgängig nahm, wenn auch in größeren Abständen, konnte ich bald den Unterarm wieder bewegen und mich duschen.

Natürlich kenne ich das Argument mit den Placebo-Effekt. Aber der erklärt viele Phänomene nicht, wie z.B. dass das Mittel irgendwann doch nicht mehr gewirkt hat. Oder warum manche Mittel nicht funktionieren, aber wenn man dann ein anderes nimmt, wirkt es gleich. Wenn man das mit dem Placebo-Effekt zusammenhinge, wäre es ja egal, welche Globuli man nimmt, weil der Effekt ja dann mit dem Vertrauen in den Behandler zusammenhinge.

Ich hatte aber auch großes Vertrauen und vor allem verzweifelte Hoffnung in das Schmerzmittel des Orthopäden gehabt, und auch vorher in Ibuprofen, und da hatte es keinen Placebo-Effekt gegeben.

Da das schon meine zweite positive Erfahrung mit Homöopathie war, bin ich jetzt jedenfalls völlig überzeugt davon.